Das neue Gesicht des Elsass

erstellt am: 09.01.2019 | von: Kevin Kleu | Kategorie(n): Allgemein, Kierdorf News

Eines der östlichsten Gebiete Frankreichs, das Elsass, eine sehr bewegte Region: Der Rhein trennt das Elsass von Deutschland, doch die Geschichte ist gleichermaßen geprägt von beiden Nationen. Das gesamte Mittelalter hindurch war Elsass Teil des Heiligen Römischen Reichs. Im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs marschierten im Jahr 1639 französische Truppen ins Elsass ein, um dort einen weiteren Einfluss der spanischen Habsburger zu verhindern. Der westfälische Frieden von 1648 zementierte die Herrschaft Frankreichs über das Elsass bis zum Ende des Deutsch-Französischen Kriegs. Mit dem Frieden von Frankfurt 1871 gerieten sowohl die deutsch- als auch französischsprachigen Teile Elsass-Lothringens bis zum Versailler-Frieden 1918 unter deutsche Herrschaft.

Diese kurze Rückschau in die Geschichte des Elsass erklärt die teilweise widersprüchliche Identität der Region. So wechselten die Amtssprachen und die nationalen Zugehörigkeiten teilweise von Generation zu Generation und es entwickelte sich eine Kultur, die geprägt von deutschen und französischen Einflüssen eine ureigene Elsässer-Identität entwickelte. Das berühmte Elsässer Choucrout und die Tatsache, dass im Elsass bis heute der Riesling die wichtigste Rebsorte stellt, legen auch noch im 21. Jahrhundert Zeugnis der bewegten Geschichte ab.

Neben dem Riesling findet sich im Elsass ein buntes Potpourri von Rebsorten, die ebenso verschieden sind wie die Böden, auf denen sie wachsen. Im Regenschatten der Vogesen ist das Elsass eine der trockensten Regionen Frankreichs und die Bodenstrukturen dürften zu den vielfältigsten aller Weinbauregionen zählen.

Ähnlich dem Burgund entstand das heutige Elsass aus einer tektonischen Verwerfung des Riftsystems entlang der Nord-Süd-Achse. Anders als im Burgund kommt im Elsass noch eine Falzkante an der West-Ost-Achse hinzu. So entstand ein wildes Schachbrett verschiedener Boden-Formationen von Sandstein über Schiefer bis hin zu Granit, Kalk und Mergel, dazwischen Lehm und Löss und etliche weitere, zum Teil verwitterte Gesteine in einer dreidimensionalen Verschiebung.

Die verschiedenen Böden erklären die enorme Rebsorten-Vielfalt von den 4 noblen Rebsorten Riesling, Muscat, Pinot Gris und Gewürztraminer zu den weiteren Rebsorten Chasselas, Sylvaner, Pinot Noir, Pinot Blanc und Auxerrois, der hier auch als Pinot Blanc vermarktet werden darf und zusammen die meist angebaute Rebsorte stellt. Der Chardonnay ist nur für die umfangreiche Crémant-Produktion zugelassen. Für die 51 Grand-Cru-Lagen der Region sind bis auf wenige Ausnahmen nur die noblen Rebsorten zugelassen.

Die vorherrschenden Böden bestimmen zu großen Teilen die angepflanzten Rebsorten und den Charakter der Weine. Als grobe Einteilung lassen sich die Böden zwischen wärmeren und kälteren Böden unterscheiden: warme Böden wie Granit, Sandstein und Schiefer, kühlere Böden wie Kalk oder Mergel.

Die wärmeren Granitböden bieten gute Drainage, sind also trockener und leichter. Demgegenüber bietet Mergel sehr gute Wasserspeicherung, ist also dichter und feuchter. Generell lassen sich auf Grund der unterschiedlichen Kapazitäten zur Wasserspeicherung Vorteile in nassen bzw. trockenen Jahren ableiten. Hinzu kommt aber noch ein wichtigerer Effekt: die steinigen Granitböden erwärmen sich schnell in der Sonne und kühlen sich in der Nacht ebenso schnell wieder ab, sodass es große Schwankungen zwischen Tag und Nacht gibt. Für die kühlen Böden gilt das Gegenteil.

Die konstant wärmeren Böden fördern das Wachstum, gleichzeitig baut der Wein auch mehr Säure ab. Ein kühlerer Boden hingegen erhält Säure bei langsamerem Wachstum. Eine spätreifende Rebsorte mit natürlich hoher Säure reift auf einem trockenen Granitboden sicher aus, ohne eine zu aggressive Säure zu entwickeln. Eine ohnehin viel Zucker und wenig Säure produzierende Rebsorte wie Gewürztraminer hat auf einem solchen Boden Probleme, nicht brandig und fett zu werden. Dass in ein und derselben Grand-Cru-Lage dennoch Riesling und Gewürztraminer stehen, ist wiederrum auf die vorher erwähnte Diversität der Bodenstrukturen zurückzuführen.

Die Unterschiede der einzelnen Lagen und Böden herauszuarbeiten, ist seit jeher die Aufgabe der Winzer der Region – einer Region, die lange Zeit einen Dornröschenschlaf hielt. Oftmals gerieten die Weine fett mit übertriebener Restsüße, die zwar durchaus großes Lagerpotential aufwiesen, aber seit Jahren aus der Mode gefallen waren. Dass die meisten Weintrinker die Elsässer Weine noch immer mit diesen Qualitäten assoziieren, ist eine gleichermaßen faszinierende wie auch enttäuschende Tatsache, wenn man bedenkt, zu welcher Größe trockene Elsässer Rieslinge in der Lage sind.

Glücklicherweise konnte sich in den letzten Jahren eine neue Winzergeneration etablieren, angetrieben von der Überzeugung, durch konsequente Arbeit im Weinberg und geringe Intervention einen Wein von klarer Terroir-Prägung zu erzeugen. Das trockene Klima begünstigt den biodynamischen Anbau, sodass die Region zu einer Keimzelle der neuen naturnahen Weinbereitung wurde.

Ein solches Weingut ist die Domaine Barmès-Buecher, die bereits seit dem Jahr 1998 auf biodynamischen Anbau umstellte. Sohn Maxime zeigt sich seit einigen Jahren für die Weinbereitung verantwortlich und vinifiziert möglichst frei von Eingriffen. Er gibt den Weinen Zeit sowohl im Keller als auch im Weinberg, denn nur so können die Weine das jeweilige Terroir zum Ausdruck bringen.

Die Weinberge des Weinguts liegen allesamt um die Dörfer Wetolsheim und Eguisheim, südlich von Colmar. Sie befinden sich also in einer geologischen Übergangszone. Mergel und Ton des Oligozäns mischen sich mit Kalk, Gips und Sandstein der oberen Trias, sowie Graniten der westlich verlaufenen Kristallinen-Vogesen. Dominiert von kühleren Bodenformationen entstehen Weine die geprägt sind von einer nahezu messerscharfen Präzision ohne dabei zu karg zu werden. So entstehen Weine rassiger Mineralität und schillernder Eleganz, fernab von übermäßig fetten, altmodischen Elsässer Weinen. Die Weine bereiten bereits heute enormes Trinkvergnügen werden sich aber mit Sicherheit noch im Verlauf der Jahre positiv entwickeln.